Finanzmarktkrise verändert europäische Bankenlandschaft

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26. Juni 2008
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Redaktion RISIKO MANAGER

Das Volumen von Zusammenschlüssen im europäischen Finanzdienstleistungssektor ist 2007 nach Berechnung des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf mehr als 200 Mrd. EUR gestiegen. Im laufenden Jahr ist zudem mit weiteren Übernahmen im europäischen Bankensektor zu rechnen.

KÖLN, 26.6.2008. Das Volumen von Zusammenschlüssen im europäischen Finanzdienstleistungssektor ist 2007 nach Berechnung des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf mehr als 200 Mrd. EUR gestiegen. Im laufenden Jahr sei zudem mit weiteren Übernahmen im europäischen Bankensektor zu rechnen, denn der Erwerb von oder die Beteiligung an europäischen Banken sei günstig wie lange nicht, schreibt Matthias Köhler, Finanzmarktexperte am ZEW, in einem jetzt veröffentlichten Beitrag für die "ZEW Wachstums- und Konjunkturanalysen". Die Zeiten für Übernahmen seien vor allem für Banken aus Russland und Fernost günstig, erklärt Köhler. Angesichts des starken Rückgangs der Börsenwerte europäischer und US-amerikanischer Banken im Zuge der internationalen Finanzmarktkrise hätten sich die Machtverhältnisse im internationalen Bankgeschäft verschoben. Köhler verweist darauf, dass einzig die britische HSBC und die Bank of America noch auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 100 Mrd. EUR kämen. Der einstige Branchenprimus, die US-amerikanische Citigroup, rangiere hingegen mit einer Marktkapitalisierung von 80 Mrd EUR weltweit nur noch auf Rang acht. Vor dem Ausbruch der Krise am US-Hypothekenmarkt sei sie noch rund 200 Mrd. EUR wert gewesen und habe damit lange Zeit als die größte Bank der Welt gegolten. Profitiert vom Einbruch der Aktienkurse europäischer und amerikanischer Banken hätten vor allem Banken aus Russland und China, schreibt der ZEW-Ökonom. So liege etwa die russische Sberbank mit einer Marktkapitalisierung von rund 43 Mrd. EUR nun gleichauf mit der schweizerischen UBS. Deren Börsenwert habe im Sommer 2007 noch bei über 100 Mrd. EUR gelegen. China habe sich im internationalen Ranking ebenfalls nach vorne geschoben und stelle inzwischen drei der fünf größten Institute weltweit. Auch wenn Banken aus Russland und China bisher noch nicht auf dem europäischen Markt aktiv seien, planten sie in den kommenden Jahren ins Ausland zu expandieren, schreibt Köhler. Die Gelegenheit dafür sei günstig, auch wenn unter Umständen im einen oder anderen Fall mit politischem Widerstand zu rechnen sein dürfte.