Versicherungsmarkt vor drastischen Sanierungsmaßnahmen

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03. September 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Mittlerweile muss eindeutig von einer Verhärtung des Versicherungsmarkts gesprochen werden. Die zu beobachtenden Marktverhärtungen werden vielfach nur mit der Sachversicherung in Verbindung gebracht, allerdings sind mittlerweile auch weitere Sparten betroffen.

Sollten die Maßnahmen, die insbesondere seitens der Versicherer getroffen werden, um das Thema Kfz-Rückruf in den Griff zu bekommen, nicht Wirkung zeigen, ist damit zu rechnen, dass die Sparte der industriellen Haftplicht die nächste ist, in der es zu Sanierungsmaßnahmen kommt. Das geht aus dem neuen Marsh Versicherungsmarktreport 2019 hervor. Darin gibt der Großmakler einen Ausblick zu den neuen Marktentwicklungen im Versicherungsgewerbe.

Die endgültigen Ergebnisse im Bereich Sachversicherung für das Jahr 2018 führten nicht zu einer Entlastung der Versicherer – oder gar zu einer Trendumkehr, hieß es. Sie verstärkten vielmehr den negativen Ergebnistrend der letzten Jahre. Zu beobachten seien auf breiter Front zum Teil drastische Sanierungsforderungen der Versicherer. Ganz überraschend sei diese Entwicklung nicht, allerdings habe kaum ein Versicherer vorausschauend seine Personalkapazitäten auf die gestiegene Anzahl von Anfragen angepasst. Schon jetzt würden Ausschreibungen aus Kapazitätsgründen nur noch sehr selektiv bearbeitet, und diese Situation werde sich erst entspannen, wenn die Versicherer ihre Vertragsverhandlungen im eigenen Bestand für das nächste Jahr abgeschlossen hätten.

Wie es weiter hieß, habe sich in der industriellen Haftpflichtversicherung die Zahl nennenswerter Schäden, die zur Auszahlung gekommen sind und mit mehr als 100 Mio. Euro kompensiert wurden, erhöht. Betroffen seien hiervon insbesondere Verträge mit hohen Deckungssummen für Kfz-Rückrufe. Als Folge reduzierten die Versicherer für diese Risiken ihre Kapazitäten, forderten höhere Prämien und Selbstbehalte und stellten gesteigerte Anforderung an das Risikomanagement. Eine generelle Verhärtung des Haftpflichtmarktes sei aber nicht festzustellen.

Kfz-Flottenversicherung verläuft auskömmlich

Die Kfz-Flottenversicherung verläuft den Angaben zufolge für die Versicherer nach wie vor knapp auskömmlich. In der Kfz-Versicherung seien erste Auswirkungen der Digitalisierung der Versicherungsbranche gut sichtbar: Die Schadenregulierung, insbesondere in der Kaskoversicherung, werde mit KI-gestützten Spezialprogrammen immer mehr automatisiert und beschleunigt. Zunehmend würden Kooperationen mit Firmen, die sich auf diese Prozesse spezialisiert haben, eingegangen. Auch bei der Preisfindung werde es mit Unterstützung entsprechender IT-Lösungen mehr Möglichkeiten der individuellen Preisgestaltung geben.

Der Trend, die stationäre Mitversicherung von Vorräten in der Transportsparte restriktiv zu behandeln, verstärke sich, hieß es weiter. Internationale Handelsembargos und Sanktionen blieben wichtige Themen, die Versicherungsnehmer bewegen würden. Insbesondere der eskalierende Konflikt zwischen den USA, inzwischen auch Großbritannien, und dem Iran ziehe auch in der Versicherungsindustrie Konsequenzen nach sich. Einige Versicherer schlössen bereits jegliche Risiken mit Iran-Bezug aus. Außerdem würden nach den Berichten von iranischen Attacken auf Tankschiffe von einigen Versicherern die Kriegs- und Streikklauseln für Öl- und Bulk-Transporte auf der Straße von Hormus gekündigt und diese könnten nur gegen Mehrprämie wieder eingeschlossen werden. (ud)

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