Zinsbenchmarks – Startschuss für €STR und Hybrid EURIBOR

-
02. Juli 2019
-
Jochen Beißer, Oliver Read

Seit Januar 2018 dürfen gemäß Benchmark-Verordnung (EU) 2016/1011 (BMVO) keine neuen Benchmarks in der EU ohne Zulassung oder Registrierung bereitgestellt werden. Die als kritisch eingestuften Zinsbenchmarks EURIBOR und EONIA werden aktuell nicht BMVO-konform ermittelt. Sie sollten ursprünglich bis Ende 2019 reformiert werden. Nun gilt eine Übergangsfrist bis Ende 2022. Der Markt bereitet sich auf den Startschuss für €STR und Hybrid EURIBOR als Nachfolger für EONIA und EURIBOR vor. Am 31. Mai haben EMMI und EZB zeitgleich mitgeteilt, dass EONIA in der Übergangsphase als €STR plus 8,5 Basispunkte ermittelt wird.

Empfehlungen der Working Group on Euro Risk-free Rates

Im September 2017 wurde die Working Group on Euro Risk-free Rates (WG-ERFR) mit Beteiligung von Vertretern des privaten Bankensektors gegründet. Ziel der WG-ERFR ist die Identifizierung und Empfehlung von risikolosen Zinssätzen im Euroraum und Fallback-Lösungen, die BMVO- konform sind. Die Working Group hat sich im September 2018 für den €STR als EONIA-Nachfolger ausgesprochen. Als Fallback-Lösung zum EURIBOR-Nachfolger soll eine Zinsstruktur auf der Basis von €STR gebildet werden.

Verlängerung der Frist für Zulassung nach der Benchmark-Verordnung

Am 25. Februar 2019 haben die EU-Institutionen eine Einigung erzielt und vereinbart, dass sowohl für kritische Benchmarks als auch für Benchmarks aus Drittstaaten, die Frist zur Zulassung um zwei weitere Jahre bis 31. Dezember 2021 verlängert wird [vgl. European Commission 2019]. Am weitesten vorangeschritten sind die Arbeiten an einem EONIA-Nachfolger. Im September 2018 schlug die WG-ERFR vor, den EONIA durch den von der EZB zu ermittelnden Referenzzinssatz €STR zu ersetzen [vgl. Beißer/Read 2019, S. 13].

Empfehlungen der WG-ERFR zum Übergang von EONIA zu €STR

Um einen möglichst reibungslosen Übergang von EONIA auf €STR sicherzustellen, veröffentlichte im Dezember 2018 die WG-ERFR einen Report zum Übergang von EONIA auf €STR [vgl. WG-ERFR 2018a]. Basierend auf den Rückmeldungen der Markteilnehmer [vgl. WG-ERFR 2019a] hat die WG-ERFR am 14. März 2019 die folgenden Empfehlungen ausgesprochen [vgl. WG-ERFR 2019b, S. 1]:

  • Marktteilnehmer sollen nach und nach EONIA-basierte Produkte und Verträge auf den neuen Referenzzinssatz €STR umstellen. Da €STR um 9:00 Uhr MEZ des folgenden TARGET2-Geschäftstages T+1 publiziert wird (und nicht wie der EONIA um 19:00 Uhr MEZ desselben Geschäftstages T), bedingt die Umstellung auf €STR eine Anpassung der IT-Systeme.
  • Um Marktteilnehmern für die erforderliche Umstellung mehr Zeit zu geben, soll beginnend mit der ersten Veröffentlichung des €STR am 2. Oktober 2019 in einer Übergangsphase bis Ende 2021 EONIA als €STR plus ein fixer Spread bestimmt werden. Der Spread resultiert aus der Tatsache, dass EONIA eine lending rate, €STR eine borrowing rate ist.

(...)

[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 06/2019. Die Ausgabe ist seit dem 26. Mai 2019 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:
Prof. Dr. Jochen Beißer
war im Bankensektor tätig und ist Professor für Finanzierung und Investition an der Wiesbaden Business School, Hochschule RheinMain University of Applied Sciences.
Prof. Dr. Oliver Read
war im Bankensektor tätig und ist Professor für Finanzierung an der Wiesbaden Business School, Hochschule RheinMain University of Applied Sciences.

Bildquelle: iStock.com/FangXiaNuo